Traum Pfade

Autor / Illustration: Hassân Almohtasib

Über Jahrhunderte war der Mond für den Menschen Kalender, nach dem sich das Leben der Menschen richtete. Mit der Romantik kam der Mond in die Literatur, wurde besungen und von Liebespaaren angehimmelt. Mit Beginn der Raumfahrt änderte sich das Interesse am Mond. Sehr schnell war den Wissenschaftlern klar, dass sich die Eroberung des Mondes in mehrfacher Sicht ausbeuten lassen würde. Zum einen konnte der Mond eine Basis bilden für die weitere Eroberung des Weltalls durch den Menschen. Mit einer festen Raumstation auf dem Mond wäre es einfacher Forschungsexpeditionen ins All zu entsenden. Zum anderen interessierten sich die Forscher von Anfang an für die Frage der Bodenschätze des Mondes. Die etwaige Ausbeutung war immer Bestandteil der Forschungen. Der Bestseller-Autor Frank Schätzing beschreibt in seinem Buch „Limit“ den Kampf zwischen den USA und China um den Abbau von Helium-3. Beide Weltmächte haben auf dem Mond Raumstationen errichtet um die Bodenschätze ausbeuten zu können. Zwischen beiden entwickelt sich ein Krieg um die bessere Ausgangssituation zum Abbau der Mondschätze. Das auf der Erde selten vorkommende Helium-3 soll zur Erde gebracht werden um es in Kernkraftwerken zu spalten und Energie zu gewinnen. Frank Schätzing ist mit seinem Roman ganz nah an den Vorstellungen und Überlegungen von Wissenschaftlern auf der ganzen Welt. Der Kampf um die Ausbeutung des Mondes hat längst begonnen. Der Bundestag hat in seiner Haushaltsdebatte 2010 viele Einsparungen beschlossen. Überall muss gespart werden. Lediglich in einem Bereich zeigten sich die Parlamentarier großzügig. Unter der Überschrift „Große Ambitionen im All“ meldete die Wirtschaftswoche am 29.11. 2010 bereits im Voraus, dass der Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle mehr Geld für die deutsche Raumfahrtindustrie zahlen will. Einen Tag nach der Haushaltsdebatte erklärte Brüderle bei einem Treffen mit Vertretern der Raumfahrtindustrie die Pläne der Bundesregierung. „Ob große deutsche Systemhäuser wie die EADS-Tochter Astrium oder das Bremer Familienunternehmen OHB, ob Mittelständler wie Astro- und Feinmechanik Adlershof oder von Horner & Sulger, ob Forschungsinstitute wie die Max-Planck-Gesellschaft oder Fraunhofer – sie alle profitieren davon, dass die Bundesregierung trotz Sparzwang künftig mehr Geld für die Raumfahrt ausgeben will“ fährt die Wirtschaftswoche fort. Die Mittel für die nationalen Programme erhöht Wirtschaftsminister Brüderle 2011 von 230 Millionen auf 242 Millionen Euro. 2012 soll der Betrag noch einmal auf 270 Millionen und ein Jahr später um weitere zwei Millionen steigen. Zusätzlich soll die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) in den nächsten Jahren aus Berlin ebenfalls mehr Geld überwiesen bekommen. Der Betrag steigt von 594 auf 611 Millionen und im Jahr 2013 dann auf 639 Millionen Euro. Bereits jetzt finanziert Deutschland 16,7% des Gesamtetats der ESA von 2,78 Milliarden Euro. Lediglich Frankreich überweist mit 18,2 % einen höheren Betrag an die ESA. Diese Zahlungen sind aber nicht frei von Eigennutz. Die Wirtschaftswoche betont in ihrem Artikel: „Allerdings muss die ESA so viel für Aufträge an deutsche Unternehmen ausgeben, wie sie von der Bundesregierung an Zuschüssen kassiert.“ Das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) bekommt jährlich 5% mehr Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt. Es stellt sich natürlich die Frage, warum eine Branche bei der etwas mehr als 6000 Menschen beschäftigt sind und bei der jetzt schon ein Jahresumsatz von fast zwei Milliarden erwirtschaftet wird so eine Förderung bekommt. Die Antwort liegt in der zukünftigen Energieversorgung der Welt. Bei den Mondmissionen sind immer Bodenproben mit auf die Erde gebracht worden, die dann von Wissenschaftlern analysiert wurden. Dabei wurde festgestellt, dass der Boden des Mondes starke Anteile an Helium-3 aufweist. Bis heute ist nicht bekannt wie teuer die Energiegewinnung von vom Mond werden würde. Es zeichnet sich jedoch ab, dass es die teuerste Energiegewinnung in der Geschichte der Menschheit werden wird. Allein die Grundlagenforschung verschlingt Milliarden Euro. Bei der Informationsstelle Militarismus in Tübingen, die der Friedensbewegung nahesteht, ist über die Kosten in einem Informationsschreiben über das satellitengesteuerte Navigationssystem „Galileo“ zu lesen: „Für die Galileo-Entwicklungsphase, veranschlagte die EU-Kommission 1,8 Mrd. Euro für die Aufbauphase weitere 3,4 Mrd. Euro. Ursprünglich zielte die Europäische Union darauf ab, von diesen 3,4 Mrd. lediglich ein Drittel selbst aufbringen zu müssen, den Rest sollten private Investoren beisteuern.“ Diese privaten Investoren aus der Wirtschaft blieben allerdings aus, so dass die EU aus verschiedenen anderen Töpfen ihres Etas nachbessern musste. Von dem Projekt absehen wollte allerdings niemand in der EU, zu wichtig ist die gemeinsame europäische Weltraumrüstung. Berechnungen von Wissenschaftlern haben gezeigt, dass die Vorkommen an Helium-3 auf dem Mond für ungefähr 600 Jahre reichen. Ausgang der Berechnung war, dass der gesamte Energiebedarf der USA auf dem heutigen Stand eingefroren wird und der Verbrauch anderen Staaten auf das Energie Niveau der USA angehoben wurde. Da ein Ende der Helium-3 Vorräte auf dem Mond er- rechnet wurde, planen Wissenschaftler bereits den nächsten Schritt vor, die Ausbeutung der Helium-3 Vorräte in der Atmosphäre des Saturns. Die Grundlagenforschung zur Nutzung von Helium-3 kostet viele Milliarden Euro. Obwohl die Finanzierung teilweise durch die Staaten finanziert wird, müssen die einzelne Konzerne dafür in Vorkasse gehen. Da es für die einzelnen nationalen Energiekonzerne trotz dem kaum finanzierbar sein wird, werden sie sich wahrscheinlich zu größeren Unternehmensverbänden zusammenschließen. Dies könnte zur Folge haben, dass nur wenige weltweit operierende Konzerne das Helium-3 in Energie umwandeln und vermarkten können. Diese Konzerne haben dann eine Monopolstellung durch sie sowohl den Preis als auch die Abnahmebedingungen diktieren können. In einer Stellungnahme der Tübinger Informationsstelle Militarisierung aus dem Jahr 2007 über das europäische Satellitennavigationssystems „Galileo“ heißt es: „Nachdem die öffentlich-private Partnerschaftslösung gescheitert war, hat die EU-Kommission im September vorgeschlagen „Galileo“ vollständig durch Umschichtungen aus dem EU-Haushalt zu finanzieren. Dagegen sperrt sich wiederum die Bundesregierung. Sie will „Galileo“ über zusätzliche Beiträge der Mitgliedsländer an der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) finanzieren. Kalkül: Dies würde eine Auftragsvergabe nach dem Beitragsanteil der Länder ohne Wettbewerb mit sich bringen und der deutschen Industrie einen Rückfluss sichern.“ Wie eng der Wettlauf der einzelnen Länder um die Ausnutzung der Bodenschätze des Mondes zeigen Planungen, dass in den Jahren 2018/2019 sowohl ein bemannter deutscher Mondflug in Sicht ist, als auch russische Wissenschaftler davon ausgehen in dieser Zeit eine bemannte Mondbasis einrichten zu können. China hat angekündigt bis 2024 seine Raumfahrt soweit auszubauen, dass sie in der Lage sein werden bemannte Flüge zum Mond durchzuführen. Für die Einrichtung eines Basislagers eignen sich nur einige wenige Teile des Mondes. Lediglich in den Polarregionen des Mondes ist die Sonnenstrahlung so stark, dass fest eingerichtete Mondbasen dauerhaft mit Solarstrom versorgt werden können. Die Bemühungen der konkurrierenden Länder werden sich also auf einen kleinen Bereich des Mondes beschränken. Zurzeit konkurrieren die USA, China, Indien, Brasilien, der Iran und ein Zusammenschluss westlicher Staaten um die Ausbeutung des Mondes. Es ist kein Zufall, dass es die Länder mit dem höchsten Energiebedarf sind. Die USA wollen aber ihre militärische und wirtschaftliche Führungsposition in der Welt weder teilen noch aufgeben. Der kanadische Politikwissenschaftler schreibt in seinem Buch über Imperien. „Im September 2002 veröffentlichte die Regierung unter Präsident George Bush eine militärische Richtlinie mit der Weisung, es sei US-Politik sicherzustellen, dass keine andere Macht in der Lage wäre, die Überlegenheit der USA zu gefährden." In einem Positionspapier zur Raum- fahrt der EU-Kommission heißt es: „Europa braucht eine effektive Raumfahrtpolitik, damit es eine weltweite Führungsrolle in bestimmten Politikbereichen im Einklang mit den europäischen Interessen und Werten ausüben kann.“ Jürgen Cloppenburg vom Institut für Weltraumrecht hat 2003 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung betont, dass der Mond keiner Nation gehört. Weiter führt er aus: „Der Weltraumvertrag garantiert aber die Nutzungs- und Forschungsfreiheit im Weltraum. Daher spricht eigentlich nichts gegen den Abbau von Bodenschätzen. (...) laut Weltraumvertrag spricht sogar nichts dagegen, die Rohstoffe zur Erde zu bringen und hier zu nutzen – nur muss das zum Wohle aller Menschen geschehen.“ Allerdings stellt sich die Frage, was das Wohl aller Menschen ist und wer bestimmt, was das ist. 1979 wurde von der UNO ein Mondvertrag verabschiedet. Auf der Internetseite scinexx heißt es dazu: „Er untersagt unter anderem alle Aktionen, die einzelnen Nationen zu mehr Profit verhelfen und andere vernachlässigen. Zudem bestimmt er, dass sämtliche Aktionen bei der UNO angemeldet und vom Generalsekretär genehmigt werden müssen.“

Vielleicht besinnt sich die Menschheit ja auch noch und findet einen Weg gemeinsam die neue Energiequelle zu nutzen. Sollte es aber beim Primat der Wirtschaft bleiben ist es wahrscheinlicher, dass ein Krieg um die Ausbeutung des Mondes ausbricht und Frank Schätzing mit seiner Prognose doch Recht hat.

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