Richard Sapper

Autoren: Friederike Gauss, Tilla Pfleiderer, Ingo Oitges und Helmut Kirsten
Fotografie: Lisa Drechsel

Richard Sapper ist seit 1986 Professor am Lehrstuhl für Produkt-Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Sein Hauptinteresse gilt seit jeher der Entwicklung technisch komplexer Geräte. Von ihm entworfene Produkte haben zahlreiche nationale und internationale Preise gewonnen. Über ein Dutzend seiner Objekte befinden sich in der ständigen Sammlung des Museum of Modern Art in New York.

Welchen Traumberuf hatten Sie als Kind?
Gepäckträger bei der Eisenbahn. Weil ich dann den ganzen Tag auf dem Bahnhof gewesen wäre und Züge hätte anschauen können. Meine große Schwester sagte immer: "Au ja, wenn wir einmal eine Reise machen und ihn sehen, sagen wir, den kennen wir, der war früher einmal bei uns."

Haben Sie schon immer das Verlangen verspürt, Ihre Heimat zu verlassen?
Nein, als Kind jedenfalls nicht. Es ergab sich durch das Leben, daß ich dauernd woanders war. Ich war als Heranwachsender nie länger als zwei, höchstens drei Jahre an ein und demselben Platz.

Was war ausschlaggebend dafür, daß Sie 1958 nach Italien gegangen sind?
Die Arbeit. Ich habe bei Mercedes in Stuttgart gearbeitet, was sehr interessant war. Aber ich fand, daß ich nicht der richtige Mensch bin, um in einer so großen Firma zu arbeiten. Also habe ich mir woanders eine Arbeit gesucht, und wie fast alle Designer bin ich nach Mailand gegangen.

Sie sahen also in Deutschland nicht unbedingt ein Podium für Designer?
Damals war in Deutschland mit Design nicht viel los, wenn man von der Autoindustrie, wenigen sehr fortschrittlichen Möbelfirmen und vielleicht noch ein paar Firmen, die Porzellan oder Besteck herstellten - was mich aber nicht sehr interssierte - absieht. Es gab niemand, der in Deutschland Design gemacht hat, während Mailand damals die Designhauptstadt der Welt war.

Spielt das italienische Design heute noch eine so große Rolle wie früher?
Es spielt noch eine Rolle, aber nicht mehr so eine wichtige wie damals. Das hat sich ausgeglichen, denn mittlerweile gibt es viele Länder, die hervorragend sind. Damals gab es Italien, Skandinavien und Amerika. In Amerika ist heute eher weniger los, dafür ist Spanien überaus interessant geworden, ebenso Deutschland und Japan - obwohl für Europäer schwierig - aber Italien ist nach wie vor spannend. Heute kann man nicht mehr sagen, daß die einzige Adresse für einen Designer der Arbeit sucht, Mailand ist. Im Gegenteil, ich stelle eigentlich fest, daß es zur Zeit einfacher ist, einen Job in Deutschland zu finden als in Italien.

Was würden Sie als Trend oder neue Stilrichtung bezeichnen? Stellt sich die Frage nach einem Trend für Sie überhaupt?
Wenn man von neuem Trend sprechen will, dann ist der Trend im Design verheerend. Betrachtet man sich, was heute produziert, angeboten und verkauft wird, ist der größte Teil davon entsetzlich. Viel schlechter als vor zwanzig oder dreißig Jahren. Dadurch, daß Design ein Schlagwort geworden ist, jeder darüber redet und schreibt, auch wenn er überhaupt nichts davon versteht, ist es eine Modewelle geworden. Das tut dem Design nicht gut.

Fühlen Sie sich deshalb mitunter überflüssig?
Nein, überhaupt nicht.

Oder entmutigt?
Entmutigt würde ich nicht sagen, aber nicht gerade entzückt. Es gibt heute entsetzlich viel oberflächlichen Kitsch. Sie brauchen sich nur einmal die Autos auf der Straße anzusehen. Das liegt daran, daß Design früher etwas Exotisches war. Der normale Mensch wußte überhaupt nicht, was Design ist, und konnte auch nichts damit anfangen. Design war eine Sache, die nur Leute betrieben haben, die sich wirklich dafür interessierten, das heißt nur Industrielle, und die machten das aus Überzegung - nicht immer gut, aber oft. Heute gibt es keinen Marketing-Manager mehr, der nicht sagt, mein Produkt muß jetzt designed sein, dann stellt er einen Designer ein und erklärt ihm, was er machen muß. Selbst wenn der Designer wirklich gut ist, muß er machen was der Marketing-Manager ihm sagt. Wenn man das bedenkt, brauchen man sich nicht zu wundem, wenn die Ergebnise katastrophal sind.

Sie haben in den siebziger Jahren einen Bus entwickelt, der gleichzeitig Fahrräder transportieren konnte. Sie erkannten frühzeitig ein Problem- den Massenverkehr aber Ihre Lösung wurde nicht weiterverfolgt Woran lag das lhrere Meinung nach?
Das ist nicht das einzige Mal, daß ich Trends vorausgesehen habe, lange bevor andere Leute sie gesehen haben - ohne angeben zu wollen. Das Problem wurde damals erkannt, dieser Bus war Teil einer Entwicklung. Ich habe mich viele Jahre mit Massenverkehr und Stadtverkehr beschäftigt. Damals dachte ich, daß man dieses Problem mit solch einem Bus in einer Stadt vielleicht lösen könnte. Ich war Berater bei Fiat und habe diesen Bus vorgeschlagen. Ich habe aber erkannt, daß das nicht die richtige Lösung des Problems ist, weil so ein Bus nur Sinn hat, wenn er von einer Stadtverwaltung gekauft wird. Es war aber einfach keine Stadtverwaltung zu finden, die das Geld für eine so unsichere Investition, wie einen revolutionären Bus auszugeben bereit war. Das ist auch der Grund, warum es bei uns und überall auf der Welt so schwierig ist, etwas Positives zu bewirken und etwas zu verändern, weil die meisten Leute eine unglaubliche Beharrlichkeit besitzen, sehr konservativ sind und vor allem fürchterliche Angst haben, sich zu blamieren oder irgendein Risiko einzugehen. Das ist ein weiterer Grund warum wir heute in der Industrie immer weniger neue und richtige Entwicklungen haben, denn die einzigen Leute, die wirklich etwas Neues bewirken könnten, sind Unternehmer die sagen: "Das mache ich jetzt". Solche Unternehmer gibt es in großen Firmen nicht. Eine große Firma funktioniert mit einer Hierarchie von Angestellten und Managern, jeder muß Rechenschaft ablegen. Keiner kann frei entscheiden, auch der Generaldirektor nicht, in welches Projekt wieviel Geld investiert wird. Das kann sich der Direktor nicht leisten, denn wenn das Projekt fehlschlägt, fliegt er. Ein selbständiger Unternehmer von einem kleinen Unternehmen fliegt nicht. Wenn er von einer Sache überzeugt ist, dann macht er es. Nur so kann man wirklich etwas bewirken, sonst braucht man das Einverständnis von verschiedenen Leuten, und je größer die Firma ist, desto mehr Leute braucht man, die damit ein· verstanden sein müssen. Haben Sie in letzter Zeit etwas entworfen, das nicht in Produktion ging? Ja, das geschieht des öfteren. Wir hatten vor einem oder zwei Jahren ein Meeting bei der IBM in Japan, bei dem es darum ging, wie Laptops in ein paar Jahren aussehen sollen. Die Verantwortliche für das Marketing dieser Computer sagte, daß sie etwas Neues für den Markt brauchen und, daß das, was wir vorgeschlagen haben, schon mehr oder weniger bekannt sei. Auf dem Tisch vor ihr standen drei Modelle, die revolutionär waren. Bei allen drei hatte sie gesagt, daß sie sich nicht trauen, sie zu produzieren, weil sie zu neu seien und weil es keine Daten gäbe, was die Marktakzeptanz betrifft. Also mit anderen Worten, das Unbekannte ist zu neu, und das Bekannte ist nicht neu genug.

Ist dies ein Problem der Wirtschaft, in Zeiten der Rezession Investitionen in neue Produkte zu blockieren?
Dieses Problem gibt es natürlich, aber das hat nichts mit Rezession zu tun. Im Gegenteil, in unserem Beruf ist im allgemeinen eine Rezession von Vorteil, weil die alten Produkte nicht mehr verkauft werden können. Denn dann gibt es zwei Möglichkeiten: Sie bekommen Angst, oder sie riskieren etwas Neues. Ich würde sagen, es ist für einen Designer viel schlechter, wenn die Zeiten gut sind, denn dann sind Industrielle viel eher geneigt, alles beim alten zu lassen. Dazu muß ich sagen, daß dies ein spezifisches Problem der Großindustrie ist und nicht von kleinen oder mittelständischen Unternehmen. Deshalb ist Italien ein so gutes Land für Designer, es gibt dort viele Familienunternehmen, bei denen die Risikobereitschaft und vor allem die Struktur gegeben ist, die eine persönliche Entscheidung möglich macht.

Trotzdem arbeiten Sie für die IBM. Macht man dort etwas anders, oder besser?
Nein, dort wird nichts besser gemacht, aber die IBM ist ein riesiges Unternehmen, und sie haben einen Designberater, und der bin ich.

Gehen Sie bei einem Projekt auf die Wünsche des Käufers ein und nehmen dabei Einschränkungen in Kauf, was Ihre persönliche Auffassung betrifft?
Nein, ich gehe auf die Erfordernisse und Wünsche des Benutzers ein. Aber nicht auf die des Käufers, denn der Käufer ist mit dem Benutzer in den meisten Fällen nicht identisch. Bei Industrieprodukten ist der Käufer der Händler. Mit dem Händler habe ich nichts zu tun, der interessiert mich nicht. In einem Industrieunternehmen werden Produkte nach den Interessen der Käufer, das heißt der Händler entwickelt, nach den Interessen der Produktionsleitung, damit sie möglichst billig sind, und nach den Interessen der Entwicklungsingenieure, die daran interessiert sind, daß das Produkt funktioniert. Aber was der Benutzer damit macht, wie er das Produkt findet, dafür gibt es keinen Vertreter in unserer Wirtschaftsorganisation. Das ist unter anderem der Platz, den der Designer ausfüllt. Der Designer kümmert sich, oder sollte sich darum kümmern, was der Benutzer mit dem Produkt macht.

Inwieweit spielt der Geschmack des Benutzers bei Ihren Überlegungen eine Rolle?
Der Geschmack spielt bei meinen Überlegungen keine Rolle, weil der Benutzer meines Wissens überhaupt keinen ausgeprägten Geschmack hat. Es gibt natürlich einen gewissen Prozentsatz von Leuten, die Geschmack haben und ästhetisch gesehen wissen, was sie kaufen wollen. Es gibt dazu Untersuchungen, die beziffern diese Leute auf ungefähr drei bis vier Prozent der Bevölkerung. Die Übrigen haben keinen Geschmack, sondern kaufen das, was ihnen jemand erzählt, oder was sie irgendwo gesehen haben. Sie finden es deshalb schön, weil sie es bereits gesehen haben, das ist in vielen Fällen im Elternhaus, bei Freunden oder Verwandten der Fall. Bei einer Firma wie der IBM werden immer Umfragen zu diesem Thema unter dem Publikum gemacht. Nach einer solchen Umfrage sieht man, daß das immer vollkommen labile und unzuverlässige Aussagen sind. Es gibt unzählige Untersuchungen zu diesem Thema. Der Mensch auf der Straße hat keinen ausgeprägten Geschmack. Er richtet sich in seinem Geschmack und dem was er kaufen will nach dem Angebot. Wenn ihm gute Ware angeboten wird, bekommt er einen guten Geschmack, wenn ihm schlechte Ware angeboten wird, bekommt er einen schlechten Geschmack. Wenn man dies illustriert haben möchte, dann braucht man nur nach Skandinavien und danach in die USA zu reisen. Dort sieht man ganz genau, wie das Angebot den Publikumsgeschmack konditioniert. Es kommt also darauf an, daß gute Produkte hergestellt werden, dann bekommt das Publikum auch einen guten Geschmack. Mit anderen Worten, in den USA wird schlechter produziert.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Es liegt daran, daß es in den USA keine besonders guten Designschulen gibt, daß in Amerika der Beruf des Designers als Dienstleistungsbetrieb der Industrie gegenüber aufgefaßt wird. Während in Europa ein Designer ein viel professionellerer Künstler ist, wie zum Beispiel ein Grafiker oder Architekt, der als Fachmann angesehen wird. Bei uns hat ein Designer seinen Kunden gegenüber eine Stellung wie ein Arzt zu seinem Patienten, das heißt ihm wird eine gewisse professionelle Qualität und Kenntnis zugestanden.

Sie verlassen demnächst die Akademie. Welchen Rat möchten Sie Ihrem Fachbereich mit auf dem Weg geben?
Unser größtes Problem, so wie ich es sehe, ist, daß wir nicht genügend Zeit haben. Wir haben in den letzten Jahren den Fehler gemacht, unseren Studiengang weiter zu öffnen, indem wir Gäste aus anderen Fachrichtungen, aus anderen Schulen und aus anderen Ländern, aufgenommen haben. Wir wollten eine offenere Gesellschaft, das war auch wunderschön, aber wir stellen jetzt fest, wenn wir das zu weit treiben, verlieren wir an Substanz. Wir können das, was wir an der Akademie machen wollen, nicht mehr durchführen. Wir haben zum Beispiel jetzt in unserer Klasse ca. funfzehn Studenten, von denen drei höchstens vier, überhaupt Erfahrung im Design haben. Alle anderen sind entweder aus dem dritten Semester, aus anderen Studiengängen oder sind Gäste. Das funktioniert nicht, denn unser ganzes pädagogisches Modell beruht darauf, daß sich Studenten verschiedener Semester in einer Gemeinschaft zusammenfinden und voneinander lernen und einander helfen. Das heißt, wenn in einer Klasse von fünfzehn Studenten zehn die Studienerfahrung haben und fünf neu dazu kommen, dann können die zehn Studenten die fünf mitziehen, und die fünf können natürlich die Frische ihrer Ideen mit einbringen. Im Augenblick ist das Verhältnis umgekehrt, das System funktioniert nicht mehr. Wir stellen auch fest, daß Studenten hier Diplom machen, die bei mir zwei Projekte gemacht haben. Mit zwei Projekten können wir niemandem beibringen, wie man Design macht. Dies ist ein schwerwiegendes Problem, das erst in den letzten zwei Semestern aufgetaucht ist, das es vorher nicht gegeben hat. Wir müssen jetzt Maßnahmen ergreifen, sonst können wir die Qualität unserer Ausbildung nicht mehr aufrecht erhalten.

Ist der Rückgang der Bewerberzahlen ein Problem für den Fachbereich Produktgestaltung?
Obwohl unsere Schule einen sehr guten Ruf genießt, haben wir einen deutlichen Rückgang an Studienbewerbern. Dadurch funktioniert auch unser Auswahlsystem nicht mehr, weil nicht genügend qualifizierte Bewerber kommen. Dem stehen wir etwas ratlos gegenüber. Der einzige Grund, den wir für dieses Problem finden können, ist, daß wir offensichtlich schlecht in Public-relations sind. Eigentlich hat die Akademie alle Voraussetzungen, um eine hervorragende Schule zu sein. Das einzige, was sie wirklich tun muß, ist ihre Werbung zu verbessern. Wir haben an der Akademie - nicht nur im Design - Studienvoraussetzungen, die für Deutschland und Europa geradezu phantastisch sind. Nur niemand weiß das. Es ist für mich nicht zu begreifen, daß nicht mehr junge Leute die Möglichkeit ergreifen, und an der Akademie studieren.

Welchen Rat möchten Sie Ihren Studenten mitgeben?
Ich möchte ihnen den Rat geben, die Möglichkeiten, die ihnen die Akademie bietet, möglichst gut auszunutzen. Das ist nicht selbstverständlich, denn wir haben in letzter Zeit oft Fälle gehabt, daß Studenten im Austausch irgendwo hingegangen sind, wo sie weniger lernten als hier. Ich selbst befürworte den Austausch und die Erfahrung, die man gerade im Ausland sammelt, sehr. Nur glaube ich, daß man dann ein Semester an das Studium anhängen sollte. Designer ist ein sehr komplizierter Beruf, und die Konkurrenz ist sehr groß, es kommt also auch auf eine sehr gute Ausbildung an. Wir haben hier hervorragende Möglichkeiten, auch durch unsere sehr guten Werksätten. Wir haben einen sehr guten Ausbildungsgang mit einem Praktikum vor dem Studium, und der Werkstattausbildung, das heißt unsere Studenten haben, wenn sie in das Berufsleben eintreten, sehr gute Voraussetzungen von der handwerklichen, aber auch von der übrigen Ausbildungsseite. Die Akademie ist unter Fachleuten sehr bekannt und ein Student aus unserer Abteilung wird nicht gerade schlecht angesehen, wenn er Arbeit sucht. In dieser Beziehung sind die Voraussetzungen wirklich gut, man muß sie nur nutzen. In den letzten Jahren habe ich mich sehr darum bemüht, ein Praktikumsprogramm in verschiedenen Firmen aufzubauen. Das ist eine Sache die man natürlich an die Studienzeit anhängen muß. Bei den Studenten gibt es zwei Typen, die einen möchten so lange, die anderen so kurz wie möglich studieren. Aber in der Studienzeit vor dem Diplom noch ein halbes Jahr zu praktizieren oder an einer anderen Schule zu sein, ist eine wertvolle Erfahrung.

Glauben Sie, daß es vorteilhaft ist, wenn ein Professorer aktiv im Berufsleben steht?
Ich finde man braucht beides. Das ist einer der Vorteile, die wir hier in diesem Studiengang haben. Wir haben ein spezielles Modell entwickelt, das darauf beruht, daß unsere Studenten ein Semester bei mir sind und eines bei Professor Lehmann, weil sie dadurch verschiedene Blickwinkel bekommen. Wenn die Studenten nur bei mir studieren würden, würde ihnen wohl auch die pädagogische Erfahrung, die jemand, der sein ganzes Leben gelehrt hat, fehlen.

Ist es ein Vorteil, wenn Studenten durch den Professor einen Bezug zur Realität vermittelt bekommen?
Ja, obwohl man natürlich nicht übersehen darf, daß der Bezug zur Realität in einer Schule immmer relativ ist. Der Beruf des Designers besteht nicht einmal zur Hälfte aus dem, was man an einer Schule lernt. Wir entwickeln hier Projekte, bauen Demonstrationsmodelle, präsentieren sie, dann ist der Fall erledigt. Im Berufsleben fängt der wirkliche Kampf dann erst an. Es geht darum aus dem Modell ein Produkt zu machen. Das ist ein überaus komplizierter Prozeß, bei dem man sehr viel Diplomatie, Menschenkenntnis, Verhandlungsgeschick und viel Dickköpfigkeit braucht. Das ist ein echter Kampf, der in dem Beruf des Grafikers oder Architekten keine Parallele hat. Ein Grafiker oder Architekt hat selbstverständlich auch um die Realisierung seiner Arbeit zu kämpfen, aber das ist etwas völlig anderes als die Entscheidung, ein Industrieprodukt herstellen zu lassen. Wenn ich zum Beispiel der IBM einen Computer anbiete, ist die Entscheidung diesen zu bauen, ein Entschluß über mehrere Millionen Dollar. Wenn da einer eine falsche Entscheidung fällt, fliegt er. Außerdem muß ein Modell, das man gebaut hat, erst einmal getestet werden, es muß funktionieren, die Technik und Herstellung muß studiert werden. Dies ist ein komplizierter Prozeß den man an einer Schule, jedenfalls an einer Schule wie wir sie kennen, nicht lernen kann. Wir könnten versuchen das zu tun, aber dafür bräuchten wir ein Institut, daß unsere Entwürfe verkauft, und das haben wir bisher nicht.

Wäre das etwas, was man sich in Zukunftvorstellen könnte?
Das könnte man, aber es ist sehr kompliziert. Ich versuche dieses Problem, durch das Industriepraktikum zu lösen. Damit können unsere Studenten ein halbes Jahr in einem Großbetrieb Erfahrungen sammeln und Design machen. Sie bekommen so einen Einblick und können lernen.

Es scheint an der Akademie üblich zu sein, an Dinge festzuhalten, die sich einmal bewährt haben. Sollte sich die Akademie eher öffnen?
Es liegt im Wesen des Produktdesigns, daß man versucht technischen Entwicklungen vorauszueilen. Das gehört absolut dazu.

Herr Sapper, wir bedanken uns für das Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.