Das Paradox der Wiederholung

Autor: Daniel Martin Feige
Illustration: Leander Aßmann

Von Heraklit aus Euphesos, der 500 Jahre vor Christi Geburt gelebt hat, ist folgender Spruch überliefert: „Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“ Was zunächst dadurch, dass scheinbar sich widersprechende Aussagen hier einfach nebeneinander stehen, nach einem schlichten logischen Fehler klingt, kann als grundlegender Gedanke zur Frage der Wiederholung gelesen werden. Die Redeweise, dass wir zweimal in denselben Fluss gestiegen sind, stellt uns im Alltag vor keine größeren Probleme. Heraklit legt den Finger in die Wunde, dass diese Redeweise aber alles andere als einfach zu verstehen ist. Denn selbst wenn der zetliche Abstand zwischen beiden Ereignissen nicht allzu groß sein sollte: Worin besteht hier die Identität eines Gegenstandes wie einem Fluss oder mir selbst? Es ist z.B. unwahrscheinlich, dass wir in beiden Fällen mit denselben Wassermolekülen in Kontakt kommen. Und auch die Vegetation, die den Fluss umgibt, wie auch das Flussbett können sich zumindest dann, wenn der zeitliche Abstand größer ist, radikal verändert haben. Dass wir selbst beim zweiten Steigen in den Fluss nicht mehr dieselben sind wie beim ersten Mal ist anhand einer schlichten Tatsache einzusehen:

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